Klarheit im industriellen Kontext: TopHaus Spini

Wie Architektur in einer Industriezone neue Maßstäbe setzt
Ein Gespräch mit Lorenzo Scacchetti von DEAR studio

TopHaus zählt zu den führenden Baustoff- und Baumarkthändlern in Südtirol und dem Trentino, mit Standorten in Bozen, Brixen, Lana, Rasun, Lavis, Pergine Valsugana und Trient. In Spini di Gardolo ist nun auf einer Gesamtfläche von rund 20.000 Quadratmetern die neue Zentrale entstanden: ein 3.000 Quadratmeter großes Hauptgebäude auf drei Ebenen, flankiert von einem über 7.000 Quadratmeter umfassenden Warenlager. Der Shop im Erdgeschoss ist bereits in Betrieb.

Wir sprechen mit Lorenzo Scacchetti, Architekt bei DEAR studio, über das architektonische Konzept, die Rolle der Fassade, die BIM-Planung und die Besonderheiten des Projekts.

Welche architektonischen und funktionalen Elemente prägen das Konzept von TopHaus Spini?

Das Projekt fügt sich in einen typischen Industriekontext ein, dem es an nennenswerten architektonischen Referenzen mangelt. Unsere Ausgangside war daher, ein klares, stringentes Gebäude zu schaffen – basierend auf Regelmäßigkeit und Geometrie, bewusst ohne expressive oder dekorative Stilelemente jenseits der Struktur selbst.

Aus diesem Ansatz heraus entwickelten wir eine Form, die den Einsatz von Betonfertigteilen aufwertet und ihnen architektonische Qualität verleiht. Die Fassade orientiert sich am klassischen Prinzip der Pfosten-Riegel-Konstruktion, zeitgemäß interpretiert durch den Einsatz von Fertigteilen der Firma Progress AG. Ein konstanter, regelmäßiger Rhythmus, konsequent auf alle Fronten angewandt, definiert die Identität des Gebäudes.

Während der Haupteingang des Shops und die Bar durch raumhohe Öffnungen charakterisiert sind, die die direkte Beziehung zwischen Innen und Außen betonen, benötigte der Verkaufsraum auch geschlossene Wandflächen für die Produktpräsentation. Das Erdgeschoss zeigt daher eine klare Durchlässigkeit im Bereich der Eingänge, während die Verkaufsflächen einen introvertierten, gefassten Charakter annehmen, definiert durch höher positionierte Öffnungen. Das Ergebnis ist ein Gleichgewicht zwischen offenen und geschlossenen Flächen, das einerseits funktionale, aber helle Räume schafft, andererseits zum Eintreten einlädt.

Im Erdgeschoss befindet sich auch das neue „Sosi Café“. Wie funktioniert die Integration zwischen Verkaufsfläche und Bar?

Auch die Bar ist zur Fassade hin orientiert. Der Kontaktpunkt zwischen beiden Bereichen ist ein Fenster in der Trennwand, konzipiert als kommunikatives Element zwischen den beiden Räumen. Kunden des Shops und Gäste der Bar können einander sehen.

Diese visuelle Verbindung schafft eine dynamische Atmosphäre und macht das Café zu einem Begegnungsort – sowohl für Kunden als auch für Mitarbeiter. Der Raum funktioniert also nicht als isolierte Einheit, sondern als integraler Bestandteil des Gebäudes.

Wie beeinflusst das Fassadenkonzept die natürliche Beleuchtung des Shops?

Im Verkaufsbereich, wo die Regale stehen, hätten raumhohe Fenster die Produktpräsentation beeinträchtigt. Daher wurden die Öffnungen in diesen Zonen im oberen Bereich der Fassade positioniert.

Auf diese Weise wird der gesamte Raum mit natürlichem Licht versorgt, während gleichzeitig ausreichend durchgängige Wandflächen für die Installation der Regale erhalten bleiben. Die richtige Balance zwischen Shop-Beleuchtung und funktionaler Einrichtung zu finden, war ein zentrales Thema der Planung.

Das Projekt wurde vollständig in BIM mit Progress-Fertigteilen realisiert. Welche Vorteile bot diese Methode?

Wir setzen BIM – Building Information Modeling – bei allen unseren Projekten ein. Im Vergleich zur traditionellen 2D-Planung ermöglicht das 3D-Modell die Integration einer weitaus größeren Informationsmenge.

Im Fall von TopHaus Spini verlief der Prozess besonders effizient: Das 3D-Modell war ein cloudbasiertes Online-Projekt, das in Echtzeit zwischen Architekten, Statikern, Haustechnikern und Progress als Hersteller der Fertigteile geteilt wurde. Dies ermöglichte es, Interferenzen zwischen den verschiedenen Gewerken frühzeitig zu erkennen und Lösungen direkt im Modell zu überprüfen.

Gab es kritische Aspekte zu managen?

Die Koordination zwischen architektonischem Entwurf, Tragstruktur und Haustechnik ist einer jener Bereiche, in denen BIM sein Potenzial am besten zeigt. Im 3D-Modell wird sofort sichtbar, wenn beispielsweise ein strukturell belasteter Bereich mit der Leitungsführung kollidiert. Das ermöglicht es, Probleme vor der Bauphase zu lösen.

Ein weiterer Vorteil betrifft die Produktion: Die Fertigteile wurden direkt aus dem 3D-Modell hergestellt – inklusive aller baulichen und haustechnischen Vorkehrungen. Progress konnte die Daten direkt in die Produktion übernehmen, was die Notwendigkeit weiterer Zeichnungen eliminierte und eine präzise Kollisionskontrolle garantierte.

Ein besonderes Element ist die begrünte Dachterrasse. Welche Rolle spielt sie in diesem industriellen Kontext?

Der Kontext ist stark von Industriebauten, Beton und wenig Grün geprägt. Die Terrasse stellt daher einen ökologischen und räumlichen Kontrapunkt dar. Auf dem Dach wurde eine Grünfläche realisiert, eingefasst von einem Perimeter aus Sträuchern, die von der Straße aus sichtbar sind.

Dieser Raum bietet den Mitarbeitern einen Ort der Pause und Regeneration, hat aber auch eine operative Funktion: TopHaus kann ihn für die Präsentation der eigenen Produkte nutzen.

Ein Ort, der Raumqualität und betrieblichen Nutzen vereint – inmitten eines Industriekontexts.

Die Baustelle wurde in nur zwölf Monaten abgeschlossen. Was hat diese Zeitschiene ermöglicht?

BIM reduziert die Anzahl der Durchgänge und Kontrollen erheblich. Alle Informationen in einem einzigen Modell gebündelt zu haben, ermöglichte es, die Daten direkt an die Fertigteilhersteller zu übermitteln. Die Installationen waren bereits in die Strukturelemente und Geschossdecken integriert.

Dies reduzierte die Probleme auf der Baustelle drastisch und trug entscheidend zur Verkürzung der Bauzeit bei. Für ein Gebäude dieser Dimension und Komplexität stellen zwölf Monate ein bemerkenswertes Ergebnis dar.

Auf welchem Stand befindet sich das Projekt aktuell?

Die Struktur ist fertiggestellt. Das Erdgeschoss mit Shop und Bar ist abgeschlossen und bereits in Betrieb.

Im ersten Stock laufen die letzten Innenarbeiten: Hier werden Büros, eine Mensa, der Progress-Sitz und ein Showroom untergebracht. Die Fertigstellung ist für April 2026 vorgesehen – dann wird das Projekt TopHaus Spini endgültig abgeschlossen sein.

Das Projekt demonstriert eine wirkungsvolle Synergie zwischen TopHaus, Progress AG und DEAR studio durch den Einsatz zeitgemäßer Planungsmethoden. Vielen Dank für das Gespräch.

 

Projekt: TopHaus Spini, Gardolo (Trient)